Linux für Multimedia-Aktivisten
Ich hatte mir schon seit langem vorgenommen, hier mal einen Beitrag über eine sehr interessante Distro zu veröffentlichen. Heute komme ich endlich dazu.
![]()
dyne:bolic ist eine außergewöhnliche LiveCD-Distribution. Sie richtet sich vor allem an die User, die ihrer Kreativität mit Musik, Videos, Radiostreams, Grafik, Webseiten, Programmen etc. auf einfache und vor allem freie Art und Weise Ausdruck verleihen wollen. Das allein wäre aber noch nicht außergewöhnlich. Das Besondere an dyne:bolic sind verschiedene Konzepte zu Installation, Software- und Hardware-Nutzung.
Statt Installation: Dock & Nest
Anstatt dyne:bolic zu installieren, kopiert man einfach den Ordner dyne von der LiveCD auf die Festplatte. Startet man danach mit der CD, wird der Ordner automatisch erkannt und man hat die Wahl zwischen Live-Modus und Festplatten-Modus (der natürlich wesentlich schneller geht). Dieser Vorgang nennt sich docking.
Nest hingegen ist das Anlegen eines permanenten Home-Verzeichnisses auf der Festplatte oder einem USB-Stick. So lassen sich Änderungen speichern, die sonst nach dem Neustart natürlich verloren wären. Außerdem speichert man seine persönlichen Dateien in diesem Verzeichnis.
Das besondere an diesem Nest-Verzeichnis ist, dass man es automatisch verschlüsseln kann, um anderen den Zugang dazu zu verweigern. Das ist z.B. praktisch, wenn man seinen USB-Stick mal verleiht oder verliert. Dann sind die persönlichen Daten geschützt.
Ressourcenhunger oder Appetithappen?
Obwohl sich mit dyne:bolic auch anspruchsvolle Multimedia-Aufgaben erledigen lassen, ist die Distro darauf ausgelegt, die Hardware zu schonen. Sie läuft auch auf älteren PCs, die sich so recyclen lassen. Als Mindestvoraussetzung wird ein Pentium1 oder vergleichbarer Prozessor genannt. Da die Installationsgröße in etwa der LiveCD entspricht, kann auch die Festplatte entsprechend klein ausfallen.
Als Desktop setzt dyne:bolic auf Leichtgewichte wie windowmaker oder xfce.
Auch bei der Hardware-Nutzung gibt es wieder ein ganz besonderes Konzept: Startet man mehrere Computer in einem Netzwerk mit der dyne:bolic-CD, verbinden sie sich automatisch zu einem Cluster. So lassen sich dann die Ressourcen verschiedener (auch schon betagter) Systeme für anspruchsvolle Aufgaben gemeinsam nutzen.
Programm-Auswahl
Auf der ca. 700MB umfassenden LiveCD finden sich allerhand Programme für verschiedene Bereiche:
Kino, Cinelerra, Avidemux, HasciiCam, Xine, FreeJ, DVDStyler, Transcode … für den Bereich Video,
GIMP, Inkscape, Blender, Gphoto, XSane, imagemagick… für Fotos und Bilder usw.,
Firefox, links, links2, Thunderbird, Mutt, Kiax (VoIP), KTorrent, Bittorrent, Gnutella, XChat, Gaim, GFTP, VNCViewer, VNCServer, Nmap, Traceroute, nvu… für alles was mit Internet, Mail, Chat und Netzwerk zu tun hat,
Amarok, Audacity, Hydrogen, JackRack, ReZound, Rosegarden, Streamtuner, MuSE, XMMS… für Audio und Musik,
Abiword, Scribus, Lyx, Ted, Nedit, Nano für Texte,
K3b, Parted, Rox, Samba, xFE, MC, GRSync… für Datenverarbeitung,
Glade, Fluid, Vim, Adie fürs Programmieren,
und und und…
mehr Programme!
Wem die Auswahl nicht reicht, der hat die Möglichkeit, spezielle dyne-Module zu "installieren". Die Installation geht genauso einfach wie das docking. Man kopiert einfach ein Modul in den Ordner dyne/modules auf die Platte und startet das System neu – fertig.
Als Module gibt es z.B. OpenOffice, eine Spielesammlung oder ein Programmier-Paket mit Gambas und verschiedenen anderen Tools zur Softwareerstellung.
Außerdem kann man Slackware-Pakete installieren und hat so eine noch größere Auswahl. RPM- und DEB-Pakete funktionieren bisher leider noch nicht. Ich könnte mir aber vorstellen,dass das noch kommt.
mehr Informationen!
Weitere Infos über dyne:bolic, den Chef-Entwickler Dennis Jaromil Rojo und das Team, das mit ihm arbeitet, gibt es unter anderem hier:
Ein Artikel über dyne:bolic, die Philosopie dahinter, Jaromil und Rastasoft als PDF- oder HTML-Version.
Website von dyne:bolic.
Wikipedia über Jaromil aka Dennis Rojo
Interview mit Jaromil über sein Leben in einem besetzten Haus in den Niederlanden und sein Wirken in der Linux-Community.
Website von Rastasoft, die für verschiedene mit dyne ausgelieferte Programme verantwortlich sind.
Schaut Euch die Sache mal an, es lohnt sich!
Gruß,
pableo
